Dietrich Bonhoeffer und seine weltweite Wirkung
Bericht über eine Veranstaltung im Bonhoeffer-Haus mit Heinrich Bedford-Strohm

Bis auf den letzten Platz besetzt war die Erinnerungs- und Begegnungsstätte am 4. März 2026 beim Vortrag und Gespräch aus Anlass des 120. Geburtstags Dietrich Bonhoeffers am 4. Februar.
Dr. Heinrich Bedford-Strohm, emeritierter Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und seit 2022 der Vorsitzende des Weltrats der Kirchen, berichtete über Dietrich Bonhoeffers vielfach inspirierende Wirkung im weltweiten Kontext der Ökumene.
In ganz unterschiedlichen Kontexten weltweit hätten Menschen in politischer Bedrängung und Verfolgung durch die Lektüre von Bonhoeffers Gedanken Ermutigung und Orientierung erfahren. Andererseits bestehe auch die Gefahr des Missbrauchs des Denkens und Handelns Bonhoeffers, insbesondere durch Vertreter des „christlichen Nationalismus“ in den USA. Diese pervertierten wesentliche Gedanken Bonhoeffers und nutzten sie für ihre politischen Zwecke.
Demgegenüber müsse Bonhoeffer selbst wieder zur Sprache kommen. Eine Sehnsucht nach erlösenden Gedanken in einer Zeit, in der viele Probleme unlösbar erscheinen, diagnostizierte Dietrich Bonhoeffer bereits 1942: „Die Welt des technischen Fortschritts ist… an ihre Grenze gekommen; der Wagen ist in den Schlamm geraten, die Räder drehen sich mit Höchstgeschwindigkeit und können den Wagen doch nicht herausziehen.“ (Ethik-Manuskript „Über die Möglichkeit des Wortes der Kirche an die Welt“). Anstelle der Absicht, die ökologischen Schäden der Technologie mit technologischen Mitteln zu bekämpfen, helfe nur die Umkehr von der materiellen Ausrichtung zur Gestaltung der menschlichen Beziehungen. Die von den Schäden Betroffenen müssten bei der Problemlösung mit am Tisch sitzen wie auch die nächste Generation.
Die „Öffentliche Theologie“ frage danach, wie das große Potenzial der biblisch-christlichen Überlieferung in die Orientierung der heutigen Gesellschaft eingebracht werden könne. Das Gebot Jesu, Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst, sei ein Weckruf für verantwortliches Handeln und die Einmischung in die Politik. Wer wirklich fromm ist, müsse auch wirklich politisch sein.
Den theologischen Schlüssel zum Verständnis der Ethik Bonhoeffers findet Bedford-Strohm in dessen Wirklichkeitsverständnis: „Es gibt kein Stück Welt und sei es noch so verloren, noch so gottlos, das nicht in Jesus Christus von Gott angenommen, mit Gott versöhnt wäre.“ (Dietrich Bonhoeffer im Ethik-Manuskript „Christus, die Wirklichkeit und das Gute“). Deshalb dürfe auch keine menschliche Person auf ihre Tat reduziert werden. Gegen alle Resignation bleibe der „Optimismus“ „als Willen zur Zukunft“, „eine Lebenskraft“, „grenzenlos zu hoffen“ (Bonhoeffer). Verantwortung bedeute, einander zuzuhören in den unterschiedlichen Kontexten und sich „feurig für das Leid der Anderen einzusetzen.“
Gottfried Brezger, Pfr. i. R., Vorstandsvorsitzender des Erinnerungs- und Begegnungsstätte Bonhoeffer-Haus e.V.