Reden und Handeln
Bei der Gedenkveranstaltung der Bundesregierung zum 20. Juli 1944 erinnerte Bundesministerin Karin Prien als Nachfahrin von Opfern der Shoah an den Mut der Frauen und Männer, die ihr Leben im Widerstand vor über 80 Jahren einsetzten. Sie warnte vor Gleichgültigkeit heute gegenüber rechtsextremer Politik und sagte: „Jeder Mensch trägt Verantwortung für sein eigenes Handeln: Der Einzelne macht den Unterschied.“
Schon vor dem Beginn der Gedenkveranstaltung versuchte Tobias Korenke, einer der 100 Nachfahren von Karl und Paula Bonhoeffer und Enkel des ermordeten Rüdiger Schleicher, den vor der Gedenkplatte abgelegten Kranz der AfD zu entfernen. Es kam zu einem Handgemenge mit dem Sicherheitspersonal. Korenke begründete sein spontanes Handeln mit den Worten: „Wenn man das AfD-Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt liest, und wie über den sogenannten Schuldkult geredet wird, wenn man weiß, dass die Lehrpläne für den Geschichtsunterricht geändert werden sollen, dann ist das eine Partei, die mit dem Andenken an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus nichts zu tun hat. Im Gegenteil. Es ist eine Provokation und eine ungeheuerliche Geschmacklosigkeit, dass die ihren Kranz hier abwerfen.“ Die Worte der Bundesministerin konnte Korenke nicht mehr hören, weil er als einer, der verantwortlich handelt, aus dem Ehrenhof der Gedenkstätte Deutscher Widerstand verwiesen worden war.
Tobias Korenke ist stellvertretender Vorsitzender im Vorstand der Erinnerungs- und Begegnungsstätte Bonhoeffer-Haus in Berlin-Charlottenburg. In das ehemalige Elternhaus von Dietrich Bonhoeffer kommen Menschen aus aller Welt, weil für sie die Haltung der Familie Bonhoeffer und das Denken und Handeln Dietrich Bonhoeffers zum Vorbild geworden sind.
Gottfried Brezger, Vorstandsvorsitzender