Weblogs

So viel Widerstandskraft ! Bonhoeffer lesen in kritischen Zeiten (4)

Body: 
Um das Erinnern und Begegnen auch in Zeiten der Schließung des Bonhoeffer-Hauses offen zu halten, stellen wir für jeden Sonntag bis zum Trinitatis-Sonntag einen Bonhoeffer-Text in den historischen und aktuellen Kontext unter dem Aspekt: Wie gehören politische und seelische Widerstandskraft zusammen? In kritischen Zeiten von Isolation und Quarantäne und der Sorge um den Verlust von Arbeit, Einkommen und Zukunftsperspektiven können wir in Dietrich Bonhoeffers Gedanken und Worten Orientierung und Ermutigung finden für unseren Geist, unsere Gedanken und unser Tun.
 
„Wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung
durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“
(1. Petr. 1,3)
 
Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen zum Sonntag Quasimodogeniti
Gottfried Brezger
______________________
 
Was wissen wir von Dietrich Bonhoeffers letzter Predigt, am Sonntag Quasimodogeniti,
8. April 1945 in Schönberg?
 
 
Fast nichts.
 
 
KONTEXT & TEXT
 
Dietrich Bonhoeffer wurde am 7. Februar 1945, anders als seine Vorgesetzten Admiral Canaris und Generalmajor Oster, vom Gestapo-Gefängnis im Reichssicherheitshauptamt Berlin nicht direkt ins KZ Flossenbürg überstellt, sondern ins KZ Buchenwald gebracht. So  geriet er in den Geiselzug der SS, mit dem er – an Flossenbürg vorbei - nach  Schönberg in Oberbayern transportiert wurde. Dort wurden die knapp 100 politischen und militärischen Gefangenen („Sonderhäftlinge“) aus 17 Ländern zusammen mit 45 „Sippenhäftlingen“ aus Familien von Attentätern des 20. Juli 1944 in Schulen untergebracht und bewacht.
 
Eberhard Bethge berichtet in seiner Bonhoeffer-Biographie von 1967 unter der Überschrift „Das Ende“, Bonhoeffer sei am „Weißen Sonntag“ von Mithäftlingen gebeten worden, eine Morgenandacht zu halten. Er habe erst eingewilligt, als auch der atheistische russische Mitgefangene Kokorin sich der Bitte angeschlossen hatte. „Er las die Texte zum Sonntag Quasimodogeniti, sprach Gebete und legte seinen Kameraden die Losung des Tages aus: »Durch seine Wunden sind wir geheilt« (Jesaja 53,5) und »Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten« (1. Petrus 1,3). Er sprach von den Gedanken und Entschlüssen, welche die Gefangenschaft in allen hatte reifen lassen.“ (Bethge, 1036)
 
Mehr als die Bibelworte der Losung und des Lehrtexts und dieser eine Satz zu Bonhoeffers   Auslegung ist uns nicht bekannt. Was bedeuten ihm diese beiden für das Verständnis des christlichen Glaubens so wichtigen Worte, das  4. Gottesknechtslied mit dem stellvertretenden Leiden des Propheten und das Wort vom neuen Leben im Glauben an die Auferstehung Jesu Christi?
 
Jesaja 53 spielt eine Rolle in der Beziehung zwischen Dietrich Bonhoeffer und Eberhard Bethge. Nach über einem halben Jahr der Haft im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Tegel war es Bonhoeffer gelungen, das Vertrauen eines Wärters zu gewinnen, der Briefe an der Zensur vorbei schleuste. Ab Mitte November 1943 konnte Bonhoeffer auf diesem Weg auch die Verbindung zu seinem Freund Eberhard Bethge wieder herstellen. Am 15.12.1943 schreibt er:
 
„Ich war eben so völlig daran gewöhnt, alles mit Dir auszutauschen, dass eine so plötzliche und so lange Unterbrechung eine tiefe Umstellung und eine große Entbehrung bedeutete.
 
Nun sind wir wenigstens wieder im Gespräch und ich lese Deinen guten, warmherzigen und mir in seiner Sprache so vertrauten Brief immer wieder. Schon seit Deiner Predigt über Jesaja 53 mag ich Deine Sprache sehr gern.“  
 
Bethge hatte im 1. Finkenwalder Kurs eine Probepredigt zu Jesaja 53 gehalten. Auch Bonhoeffer hatte dazu einen Text vorgelegt und darin ausgeführt:
 
„Hier ist das Alte Testament an seiner Grenze. Funken zum Neuen Testament sichtbar … Vom Stellvertreter-Leiden eines Namenlosen … Der Glaube erkennt, das ist er, den er geschlagen hat für uns, für unsere Strafe, an der Stelle, wo wir leiden sollten. Steht, wo ich und die Menschheit stehen sollte … Wer ist der    Ungenannte? Antwort ist gegeben. Antwort ist da: im Neuen Bund, [in] Christus als dem gekreuzigten, als dem erwarteten Messias. Auf den Israel wartet.“  (Mitschrift in DBW 14, 340 ff.).
 
Gehört das stellvertretende Leiden Christi zu den „Gedanken und Entschlüssen, welche die Gefangenschaft“ in ihm „hatte reifen lassen“? Und ist dieser Gedanke geeignet, auch den Erfahrungen in der Haft einen Sinn zu verleihen? Womöglich auch bei nicht-religiösen Menschen?
 
Im Brief an Eberhard Bethge vom 21. Juli 1944, unmittelbar nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli, schreibt Bonhoeffer über seine Erkenntnis,
 
„dass man erst in der vollen Diesseitigkeit des Lebens glauben lernt. Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen … - und dies nenne ich Diesseitigkeit, nämlich in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten leben, - dann wirft man sich Gott ganz in die Arme, dann nimmt man nicht mehr die eigenen Leiden, sondern das Leiden Gottes in der Welt ernst, dann wacht man mit Christus in Gethsemane, und ich denke, das ist Glaube, das ist Metanoia, und so wird man ein Mensch, ein Christ …Ich bin dankbar, dass ich das habe erkennen dürfen und ich weiß,  dass ich es nur auf dem Wege habe erkennen können, den ich nun einmal gegangen bin. Darum denke ich dankbar und friedlich an Vergangenes und Gegenwärtiges.“ (DBW 8, 542)
 
„Glauben lernen“ bedeutet für Dietrich Bonhoeffer nicht - wie im Focus traditioneller Dogmatik - Wiedergeburt und Heiligung, sondern Umkehr in die offenen Arme Gottes und dem andern ein Christ werden - dieser in seiner Ethik angelegte Gedanke ist bei ihm in der Haft „gereift“.
 
Unter dem Eindruck der Bedrohung durch das unscheinbare Virus hält der ängstliche Blick auf den Andern, der für mich zur potenziellen Bedrohung werden könnte, unsere Gedanken und Entschlüsse gefangen. Befreiung setzt voraus, dass wir fragen: Was braucht der Andere in diesen kritischen Zeiten? Und wie kann ich ihm – verantwortlich – auf erfinderische Weise begegnen? Woran hängt unser Leben? Was geht mit dieser Krise zu Ende und was kann neu beginnen für mich und für die Andern?
 
So viel Widerstandskraft können wir aus Bonhoeffers Gedanken und Entschlüssen im Widerstand lernen – auch wenn seine und unsere Bedrohungssituation so weit auseinander sind wie Tod und Leben. Unser Leben ist begrenzt, sein Leben ist unmittelbar vom Tod bedroht.
 
Als Dietrich Bonhoeffer nach der Andacht in Schönberg abgeholt wird, um ins KZ Flossenbürg gebracht zu werden, sind seine letzten Worte eine Botschaft an seinen ökumenischen Freund Bischof George Bell: „Sagen Sie ihm, dass dies für mich das Ende ist, aber auch der Anfang.“ (DBW 16, 468).
 
Christus, wahrer Mensch und Gott,
der in unser Leben kommt,
mach zur Liebe uns bereit,
so wird allzeit Gottes Zeit.
 
_______________________________
 
Quasimodogeniti, April 19, 2020 
So much strength to resist ! Read Bonhoeffer in critical times (4)
 
In order to keep the memory and encounter open even when the Bonhoeffer House is closed, we put Bonhoeffer texts for each new week until Trinitatis Sunday in the historical and current context under the aspect: How do political and mental resistance belong together? In critical times of isolation and quarantine and worrying about the loss of work, income and future prospects, we can find orientation and encouragement for our mind, our thoughts and our actions in Dietrich Bonhoeffer's thoughts and words.
"Praise be to God, the Father of our Lord Jesus Christ! By his great mercy God has given us a new birth into a living hope through the resurrection of Jesus Christ from the dead"
(1. Peter 1:3)
 
With warm regards and good wishes for the Sunday Quasimodogeniti
Gottfried Brezger, chairman
____________
 
What do we know from Dietrich Bonhoeffer's last sermon, on Sunday Quasimodogeniti, April 8, 1945 in Schönberg?
 
 
Nearly nothing.
 
 
CONTEXT & TEXT
 
On February 7, 1945, unlike his superiors Lieutenant-General Canaris and Brigadier Oster, Dietrich Bonhoeffer was not transferred from the Gestapo prison in the Reich Security Main Office in Berlin directly to the Flossenbürg concentration camp, but was brought to the Buchenwald concentration camp. So he got on the hostage deportation of the SS, with which he was transported - past Flossenbürg - to Schönberg in Upper Bavaria. There, the almost 100 political and military prisoners ("special prisoners") from 17 countries together with 45 "clan prisoners" from families of assassins of July 20, 1944 were housed and guarded in schools.
 
Eberhard Bethge reports in his Bonhoeffer biography from 1967 under the heading “The End” that Bonhoeffer was asked by fellow inmates to hold a morning prayer on "White Sunday". He only agreed when the atheistic Russian fellow prisoner Kokorin also accepted the request. "He read the Quasimodogeniti texts on Sunday, said prayers and interpreted the watchwords of the day to his comrades: »We are healed through his wounds« (Isaiah 53: 5) and »Praise be to God, the Father of our Lord Jesus Christ! By his great mercy God has given us a new birth into a living hope through the resurrection of Jesus Christ from the dead« (1. Peter 1:3.). He spoke of the thoughts and decisions that captivity had matured in all.”
 
We do not know more than the Moravian daily watchwords on Quasimodogenity and this one sentence about Bonhoeffer's interpretation. What do these two Bible words mean to him for the understanding of the Christian faith, the 4th song of the Suffering Servant with the vicarious representative action and the word about the new life in faith in the resurrection of Jesus Christ?
 
Isaiah 53 plays a role in the relationship between Dietrich Bonhoeffer and Eberhard Bethge. After more than half a year in the detention prison of the army in Tegel, Bonhoeffer had managed to win the trust of a guard who would could smuggle his letters past the censorship. 
 
From mid-November 1943, Bonhoeffer was able to reconnect to his friend Eberhard Bethge in this way. On December 15, 1943, he wrote:
 
“For I was so utterly accustomed to sharing everything with you that such a sudden and long interruption represented a profound readjustment and a great deprivation. Now we are at least back in conversation, and I am reading your good, warmhearted letter, so familiar to me in its language, over and over again. Ever since your sermon on Isa 53, I have been very fond or your language.” (Dietrich Bonhoeffer Works, Volume 16, 486, Fortress Press, Minneapolis 2006).
 
Bethge had given a trial sermon to Isaiah 53 in the 1st Finkenwalder course. Bonhoeffer had also submitted a sermon outline on this and stated:
 
“Here the Old Testament at its limits. Glimmers of the New Testament visible … About the vicarious representative action of a nameless one … Faith see that he is the one who is struck down for us, our punishment, in the place where we ought to suffer. Stands where I and humanity ought to stand … Who is the Unnamed? Answer is given. Answer is there: in the New Covenant, in Christ as the Crucified, as the anticipated messiah. For whom Israel waits.” (Dietrich Bonhoeffer Works, Volume 14, 359 ff., Fortress Press, Minneapolis 2013).
 
Is Christ's vicarious representative suffering one of the "thoughts and decisions that captivity" had "matured" in? And is this thought suitable to also make sense of the experiences in detention? Possibly also with non-religious people?
 
In a letter to Eberhard Bethge of July 21, 1944, immediately after the coup of July 20 failed, Bonhoeffer writes about his knowledge 
 
“… that one only learns to have faith by living in the full this-worldliness of life. If one has completely renounced making something of oneself … then one throws oneself completely into the arms of God, and this is what I call this-worldliness: living fully in the midst of life’s tasks, questions, successes and failures, experiences and perplexities – then one takes seriously no longer one’s own sufferings but rather the suffering of God in the world. Then one stays awake with Christ in Gethsemane. And I think this is faith; this is Metanoia. And this is how one becomes a human being, a Christian … I am grateful that I have been allowed this insight, and I know that it is only on the path that I have finally taken that I was able to learn this. So I am thinking gratefully and with peace of mind about past as well as present things.”  (DBW, vol. 8, 218)
 
For Dietrich Bonhoeffer, "learning to believe" does not mean - as in the focus of traditional dogmatics – a new birth and sanctification, but throwing oneself in the open arms of God and the other becoming a Christian  - this ethical idea has "matured" in his imprisonment.
 
Under the impression of the threat of the inconspicuous virus, the fearful look at the other, which could become a potential threat for me, captures our thoughts and decisions. Liberation presupposes that we ask: What does the other person need in these critical times? And how can I - responsibly - meet him in a creative way? How does our life depend? What is coming to an end with this crisis and what can start again for me and for the others?
 
We can learn so much strength to resist / resilience from Bonhoeffer's thoughts and decisions in prison - even if his and our threat situation are as far apart as death and life. Our life is only limited, his life is threatened with death.
 
When Dietrich Bonhoeffer is picked up after the prayer in Schönberg to be taken to the Flossenbürg concentration camp, his last words are a message to his ecumenical friend Bishop George Bell: “Tell him that this is the end for me, but also the beginning . “ (DBW 16, 468).
 
Christ, true man and God,
who comes into our life
make us willing to your love
then God's time is all the time.

So viel Widerstandskraft ! Bonhoeffer lesen in kritischen Zeiten (3)

Body: 
Die Kontakteinschränkungen aufgrund der Corona-Krise hindern uns z. Zt. daran, das Bonhoeffer-Haus für Besuche offen zu halten. So wollen wir andere, mediale Möglichkeiten der Kommunikation schaffen. Für jede Woche neu werden wir an den kommenden Sonntagen an dieser Stelle Texte von Dietrich Bonhoeffer mit einem Bezug zu „Widerstand“ und „Widerstandskraft“ zitieren. In kritischen Zeiten von Isolation und Quarantäne und der Sorge um den Verlust von Arbeit, Einkommen und Zukunftsperspektiven können wir in Dietrich Bonhoeffers Gedanken und Worten Orientierung und Ermutigung für Geist und Seele finden.
 
Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!
 
Frohe Ostern!
 
Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen
 
Gottfried Brezger
______________________
 
Auferstehung - Gottes dreifaches Ja
 
Dietrich Bonhoeffers Betrachtung zu Ostern 1940
 
Die Auferstehung Jesu Christi ist Gottes Ja zu Christus und seinem genugtuenden Werk.
 
Das Kreuz war das Ende, der Tod des Sohnes Gottes, Fluch und Gericht über alles Fleisch. Wäre das Kreuz das letzte Wort über Jesus, dann wäre die Welt in Tod und Verdammnis ohne Hoffnung verloren, dann hätte die Welt über Gott den Sieg davongetragen. Aber Gott … erweckte Christus von den Toten … Die Auferstehung ist der Tag der Erzeugung des Gottessohnes (Acta 13,33; Röm 1,4). Der Sohn empfängt seine ewige göttliche Herrlichkeit zurück, der Vater hat den Sohn wieder …
 
Die Auferstehung Jesu Christi ist Gottes Gnade zu uns. Christus starb um unserer Sünde willen, er wurde auferweckt um unserer Gerechtigkeit willen (Röm 4,25) … Wäre Christus im Tode geblieben, wo wäre dieses Todesurteil noch in Kraft; wir wären noch in unseren Sünden“           (1 Kor 15,17). Weil aber Christus auferweckt ist vom Tode, darum ist das Urteil über uns aufgehoben, und wir sind mit Christus auferstanden (1 Kor 15). Das ist so, weil wir ja kraft der Annahme unserer menschlichen Natur in der Fleischwerdung in Jesus Christus sind; was ihm widerfährt, widerfährt uns; denn wir sind von ihm angenommen …
 
Die Auferstehung Jesu Christi ist Gottes Ja zur Kreatur. Nicht Zerstörung, sondern Neuschöpfung der Leiblichkeit geschieht hier. Der Leib Jesu geht aus dem Grabe hervor, und das Grab ist leer. Wie es möglich, wie es zu denken ist, dass der sterbliche und verwesliche Leib nun als der unsterbliche, unverwesliche, verklärte Leib da ist, bleibt uns verschlossen … Nicht eine Christusidee lebt fort, sondern der leibliche Christus. Das ist Gottes Ja zur neuen Kreatur mitten in der alten. In der Auferstehung erkennen wir, dass Gott die Erde nicht preisgegeben, sondern sich zurückerobert hat. Er hat ihr eine neue Zukunft, eine neue Verheißung gegeben. Dieselbe Erde, die Gott schuf, trug den Sohn Gottes und sein Kreuz, und auf dieser Erde erschien der Auferstandene den Seinen, und zu dieser Erde wird Christus am letzten Tage wiederkommen. Wer die Auferstehung gläubig bejaht, der kann nicht mehr weltflüchtig werden, er kann aber auch nicht mehr der Welt verfallen, denn er hat mitten in der alten Schöpfung die neue Schöpfung Gottes erkannt …
 
Text:    Betrachtung zu Ostern: Auferstehung
Beilage für den monatlichen Rundbrief des pommerschen Bruderrates der Bekennenden Kirche an seine Pfarrer vom März 1940
 
Dietrich Bonhoeffer Werke, Bd. 16,S. 471 ff.
Christian Kaiser-Verlag, Gütersloh 1996
 
TEXT und KONTEXT
 
Dietrich Bonhoeffer beschreibt die Bedeutung der Auferstehung in den drei Dimensionen der Beziehung Gottes zur Welt: in seinem Ja zu Christus, zu uns und zur Kreatur. „Für die Welt“,   so schreibt er am Schluss seiner Betrachtung zu Ostern, bleibt die Auferstehung ein „unlösbares Rätsel“: „Die Welt sieht die ‚Zeichen‘, aber sie glaubt das Wunder nicht.“ „Dem Glauben aber ist dieses Rätsel ein Zeichen für die Wirklichkeit, von der er schon weiß, ein Abdruck göttlichen Wirkens in der Geschichte … Die Gewissheit der Auferstehung empfängt der Glaube allein aus dem gegenwärtigen Christuszeugnis. Seine Bestätigung findet er in den geschichtlichen Abdrücken des Wunders, wie sie die Schrift berichtet.“
 
„ …Mitten in der alten Schöpfung die neue Schöpfung“ zu erkennen – was bedeutet das im historischen Kontext dieses Texts? Dietrich Bonhoeffer schreibt ihn wenige Tage vor der Schließung des Sammelvikariats durch die Gestapo am 18. März 1940. Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 hatte Deutschland den Krieg begonnen. In seinem Brief an die Finkenwalder Brüder vom 20. September berichtet Bonhoeffer vom ersten Kriegstod eines Finkenwalder Bruders am 3. September als Soldat in Polen und schreibt: „Der Tod ist wieder mitten unter uns getreten, und wir müssen uns, ob wir wollen oder nicht, Gedanken über ihn machen … Wenn um uns herum Streit und Tod ihre wilde Herrschaft üben, dann sind wir aufgerufen, nicht nur durch Worte und Gedanken, sondern auch durch die Tat Gottes Liebe und Gottes Frieden zu bezeugen.“ 
 
Ein halbes Jahr später entfaltet Bonhoeffer im ersten Manuskript seiner Ethik sein Verständnis der doppelten Wirklichkeit, das den Glauben an die Auferstehung prägt:
 
„In Christus begegnet uns das Angebot, an der Gotteswirklichkeit und an der Weltwirklichkeit zugleich teil zu bekommen, eines nicht ohne das andere. Die Wirklichkeit Gottes erschließt sich nicht anders als indem sie mich ganz in die Weltwirklichkeit hineinstellt, die Weltwirklichkeit aber finde ich immer schon getragen, angenommen, versöhnt in der Wirklichkeit Gottes vor. Das ist das Geheimnis der Offenbarung Gottes in dem Menschen Jesus Christus. Die christliche Ethik fragt nun nach dem Wirklichwerden dieser Gottes- und Weltwirklichkeit, die in Christus gegeben ist, in unserer Welt (Ethik, DBW 6, 40).
 
„ …Mitten in der alten Schöpfung die neue Schöpfung“ zu erkennen – was bedeutet das in unserem Kontext der Corona-Krise? Empathie und Glauben - der Welt zugewandt -  gehören zusammen. Alles beginnt mit der Empathie mit denen, die durch diese Krise leiblich, seelisch und in ihrer Existenz bedroht sind. Zugleich brauchen wir den Blick auf Zeichen der neuen Schöpfung, denn die Kraft unseres Widerstehens hängt an unserem Erkennen und Unterscheiden: Was kann ich – wenn auch unter Schmerzen – hinter mir lassen und wofür will ich in der Zukunft leben und standhalten? Wofür bin ich bereit, mich in unserer Gesellschaft und über die nationalen Grenzen hinweg einzusetzen, damit nicht nur Solidarität geübt, sondern die Not des Andern zum Kriterium für Recht und Gerechtigkeit erhoben wird? Im Glauben an das dreifache Ja Gottes wissen wir uns schon von dieser neuen Wirklichkeit „getragen, angenommen, versöhnt“ in Jesus Christus.
 
Christus, Leben aus dem Tod,
überwindet unsre Welt,
Gott versöhnt, was wir getrennt.
Unsre Schuld hat nun ein End‘.
 
_____________________________
 
 
Easter-Sunday, April 12, 2020 
 
So much strength to resist ! Read Bonhoeffer in critical times (3)
 
In Germany we have now also strong restrictions of contacts, so we had to close the Bonhoeffer House for some weeks. But Bonhoeffer's words may help us to resist mentally in this crisis and to learn from his political resistance.The following Sundays we will for each new week quote texts by Dietrich Bonhoeffer with a reference to “Widerstand” (resistance) and “Widerstandskraft” (strength to resist, resilience).
 
Especially in critical times of isolation and quarantine, the restriction of our 'physical' relationships and the worry about losing jobs and future prospects, we can find orientation and encouragement for our mind and soul in Bonhoeffer's thoughts and words.
 
Christ is risen! He is risen indeed!
 
Happy Easter!
 
Blessings for you and your family in Jesus Christ.
 
Gottfried Brezger, Chairman
____________
 
Reflection on Easter: Resurrection
 
The resurrection of Jesus Christ is God’s Yes to Christ and his work of expiation.
 
The cross was the end, the death of the Son of God, curse and judgement on all flesh. If the cross had been the last word about Jesus, then the world would be lost in death and damnation without hope; then the world would have triumphed over God.
 
But God … raised Christ from the dead … The resurrection is the day of the begetting of the Son of God (Acts 13:33; Rom. 1:4). The Son receives back his eternal divine glory; the Father has the Son again.
 
The resurrection of Jesus Christ is God’s Yes to us. Christ died for our sins; he was raised for our righteousness (Rom. 4:25) … If Christ had remained dead, this death sentence would still stand: “We would still be in our sins” (1 Cor. 15:17). Because, however, Christ is risen from the dead our sentence has been lifted, and we are risen with Christ (1 Cor. 15). This is the case because we are in Jesus Christ by virtue of his assumption of our human nature in the incarnation; what happens to him happens also to us, for we are assumed into him …
 
The resurrection of Jesus Christ is God’s Yes to the creature. What takes place here is not the destruction of life in the body but its new creation. The body of Jesus comes forth from the tomb, and the tomb is empty. We are unable to grasp how it is possible and thinkable that the mortal and corruptible body is now present as the immortal, incorruptible, transfigured body … It is not a Christ-idea that lives on, but the bodily Christ. This is God’s Yes to the new creature in the midst of the old. In the resurrection we acknowledge that God has not given up on the earth but has personally won it back. God has given it a new future, a new promise. The vey earth God created bore the Son of God and his cross, and on this earth the Risen One appeared to his own, and to this earth Christ will come again on the last day. Those who affirm the resurrection of Christ in faith can no longer flee the world, nor can they still be enslaved by the world, for within the old creation they have perceived the new creation of God …   
 
TEXT: Hectograph, enclosed with the March 1940 monthly newsletter from the Pomeranian Council of Brethren of the Confessing Church to its pastors.
Dietrich Bonhoeffer Works, Volume 16, 472 ff., Fortress Press, Minneapolis 2006
 
TEXT & CONTEXT
 
Dietrich Bonhoeffer describes the resurrection as a relationship event of God in three dimensions: in his Yes to Christ, to Us and to the Creature. “For the world”, he writes at the end of his Reflection on Easter, “there remains an insoluble riddle.” "The world sees the 'signs', but it does not believe the miracle." “For faith, however, this riddle is a sign of the reality that it already knows, an imprint of God acting in history ... Faith receives the certainty of the resurrection solely from the present witness of Christ. It finds its confirmation in the historical imprints of the miracle, as scripture reports them. "
 
To perceive “within the old creation … the new creation of God” – what does that mean in the historical context of this text?
 
Dietrich Bonhoeffer wrote it a few days before the Gestapo closed the Vicariate on March 18, 1940. Germany had started the war with the attack on Poland on September 1, 1939. In his letter to the Finkenwalder brethren of September 20, Bonhoeffer reports of the first war death of a Finkenwalder brother on September 3 as a soldier in Poland and writes: “Death has come again in the midst of us and we have to decide whether we like it or not, to think about it … If quarrel and death exercise their wild rule around us, then we are called to witness not only through words and thoughts, but also through the deed God's love and peace.”
 
Half a year later, in the first manuscript of his ethics, Bonhoeffer unfolds his understanding of the double reality, which shapes the belief in the resurrection: “In Christ we are invited to participate in the reality of God and the reality of the world at the same time, the one not without the other. The reality of God is disclosed as it places me completely into the reality of the world. But I find the reality of the world always already born, accepted, and reconciled in the reality of God. That is the mystery of the revelation of God in the human being Jesus Christ. The Christian ethic asks then, how this reality of God and of the world, that is given in Christ becomes real in our world.” (Ethics, DBW, Volume 6, 55).
 
To perceive “within the old creation … the new creation of God” – what does that mean in our context of the corona crisis? Empathy and faith - facing the world - belong together. It all starts with empathy with those who are physically, mentally and in their very existence threatened by this crisis. At the same time, we need to look at signs of the new creation, because the strength of our resistance depends on our recognition and distinction: What can I leave behind - albeit in pain - and what do I want to live and stand for in future? What am I willing to do in our society and across national borders so that not only is solidarity practiced, but other people's misery is raised as a criterion for law and justice? Believing in the threefold Yes of God, we already know that this new reality is “carried, accepted, reconciled” in Jesus Christ.
 
Christ, life from death,
overcome our world.
God reconciles what we separated.
So our guilt comes to an end.

So viel Widerstandskraft ! Bonhoeffer lesen in kritischen Zeiten (2)

Body: 
Die Kontakteinschränkungen aufgrund der Corona-Krise hindern uns z. Zt. daran, das Bonhoeffer-Haus für Besuche offen zu halten. So wollen wir andere, mediale Möglichkeiten der Kommunikation schaffen. Für jede Woche neu werden wir an den kommenden Sonntagen an dieser Stelle Texte von Dietrich Bonhoeffer mit einem Bezug zu „Widerstand“ und „Widerstandskraft“ zitieren. In kritischen Zeiten von Isolation und Quarantäne und der Sorge um den Verlust von Arbeit, Einkommen und Zukunftsperspektiven können wir in Dietrich Bonhoeffers Gedanken und Worten Orientierung und Ermutigung für Geist und Seele finden.
 
Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen in der Passionszeit
 
Gottfried Brezger
______________________
 
„Christen stehen bei Gott in seinen Leiden“
 
Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,
um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.
 
Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit
und Tod. Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.
 
Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod
und vergibt ihnen beiden.
 
Text:    Christen und Heiden
Dietrich Bonhoeffer, 8. Juli 1944
in: Widerstand und Ergebung,
Dietrich Bonhoeffer Werke, Bd. 8,S. 515f.
Christian Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1998
______________________
 
TEXT und KONTEXT
 
„Widerstehen“ kommt von „Stehen, Bestehen und Beistehen“. In diesen Tagen hört mein inneres Ohr auf J.S.Bachs Vertonung der Strophe von Paul Gerhardt in der Matthäuspassion:
 
„Ich will hier bei dir stehen. Verachte mich doch nicht!“ 
 
Bemerkenswert scheint mir, dass Dietrich Bonhoeffer in keinem der zehn Gedichte, die er in der Haft geschrieben hat, die Beziehung zu Christus, die doch das Zentrum seiner Theologie bildet, in Worte fasst. Stimmt nicht! In „Christen und Heiden“ begegnet uns Gott in Christus.
 
In der Haftzelle, in der er keine fünf Schritte gehen kann, spricht Dietrich Bonhoeffer vom Gehen der Menschen wie in einer Prozession der Mühseligen und Beladenen durch die Jahrhunderte (1. Strophe) und von der Umkehrung: von Gottes Gehen zu den Menschen mit seinem Brot und Tod (3. Strophe). Was geschieht in der 2. Strophe?
 
Im Brief vom 18. Juli 1944 schreibt Dietrich Bonhoeffer an seinen Freund Eberhard Bethge:
 
Das Gedicht über „Christen und Heiden“ enthält einen Gedanken, den Du hier wiedererkennen wirst. „Christen stehen bei Gott in seinen Leiden“, das unterscheidet Christen von Heiden. „Könnt ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?“ fragt Jesus in Gethsemane. Das ist die Umkehrung von allem, was der religiöse Mensch von Gott erwartet. Der Mensch wird aufgerufen, das Leiden Gottes an der gottlosen Welt mitzuleiden … Nicht der religiöse Akt macht den Christen, sondern das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben. Das ist die Metanoia [Umkehr], nicht zuerst an die eigenen Nöte, Fragen, Sünden, Ängste denken, sοndern sich in den Weg Jesu mithineinreißen lassen, in das messianische Ereignis, dass Jesaja 53 [„Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen …“] nun erfüllt wird!
 
Zwischen dem Gott, zu dem Menschen in Ihrer Hoffnung auf seine Allmacht gehen,
 
und Gott, der kraft seiner Überwindung des Todes allen – Christen und Heiden – vergibt,
 
begegnet Gott uns in seiner Ohnmacht, „verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.“
 
Der Widerspruch zwischen Allmacht und Ohnmacht, der unseren Verstand übersteigt, findet seine Aufhebung in der Empathie Gottes. Gott widersteht dem vernichtenden Tod – dem denkbar größten Widerspruch zum Leben -, indem er ihn auf sich nimmt.
 
Die Empathie Gottes macht aus dem Gehen der Christen ein Stehen. Ein Bei-Stehen:
 
„Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.“ In ihrer Empathie lassen sie sich in Sein Leiden im Andern hineinreißen. Es ist – in der Nachfolge Jesu – „dieses Leben der Teilnahme an der Ohnmacht Gottes in der Welt.“
______________________
 
Brief vom 21.8.1944 an Eberhard Bethge zu seinem Geburtstag (geb. 28.8.1909)
 
mit Bezug auf den Lehrtext für den 28.8.1944 aus 2 Kor 1,20:
 
„Alle Gottesverheißungen sind Ja in ihm und sind Amen in ihm.“
 
Heute in 8 Tagen ist dein Geburtstag. Noch einmal habe ich mir die Losungen vorgenommen und darüber etwas meditiert. Es kommt wohl alles auf das „in Ihm“ an. Alles, was wir mit Recht von Gott erwarten dürfen, ist in Jesus Christus zu finden. Was ein Gott, so wie wir ihn uns denken, alles tun müsste und könnte, damit hat der Gott Jesu Christi nichts zu tun. Wir müssen uns immer wieder sehr lange und sehr ruhig in das Leben, Sprechen, Handeln, Leiden und Sterben Jesu versenken, um zu erkennen, was Gott verheißt und was er erfüllt. Gewiss ist, dass wir immer in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben dürfen und dass dieses Leben für uns ein ganz neues Leben ist; dass es für uns nicht Unmögliches mehr gibt, weil es für Gott nichts Unmögliches gibt; dass keine irdische Macht uns anrühren kann ohne Gottes Willen, und dass Gefahr und Not uns nur näher zu Gott treibt; gewiss ist, dass wir nichts zu beanspruchen haben und doch alles erbitten dürfen; gewiss ist, dass im Leiden unsre Freude, im Sterben unser Leben verborgen ist; gewiss ist, dass wir in dem allen in einer Gemeinschaft stehen, die uns trägt. Zu all dem hat Gott in Jesus Ja und Amen gesagt. Dieses Ja und Amen ist der feste Boden, auf dem wir stehen.
 
Text:    Dietrich Bonhoeffer, in: Widerstand und Ergebung,
Dietrich Bonhoeffer Werke, Bd. 8, 572 f.
Christian Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1998
 
___________________________________
 
 
Sunday 5 April 2020
 
So much strength to resist ! Read Bonhoeffer in critical times (2)
 
In Germany we have now also strong restrictions of contacts, so we had to close the Bonhoeffer House for some weeks. But Bonhoeffer's words may help us to resist mentally in this crisis and to learn from his political resistance.The following Sundays we will for each new week quote texts by Dietrich Bonhoeffer with a reference to “Widerstand” (resistance) and “Widerstandskraft” (strength to resist, resilience).
 
Especially in critical times of isolation and quarantine, the restriction of our 'physical' relationships and the worry about losing jobs and future prospects, we can find orientation and encouragement for our mind and soul in Bonhoeffer's thoughts and words.
 
Blessings in passion time for you and your family in Jesus Christ.
 
Gottfried Brezger, Chairman
____________
 
Christians stand by God in God’s own pain
 
1.    People go to God when they’re in need,    
      plead for help, pray for blessing and bread,
      for rescue from their sickness, guilt, and death.
      So do they all, all of them, Christians and heathens.
 
2.    People go to God when God’s in need,     
      find God poor, reviled, without shelter or bread,
      see God devoured by sin, weakness, and death.
      Christians stand by God in God’s own pain.
 
3.    God goes to all people in their need,          
      fills body and soul with God’s own bread,
      goes for Christians and heathens to Calvary’s death
      and forgives them both..
 
TEXT:   Poem “Christians and Heathens”
Dietrich Bonhoeffer Works, Volume 8, Letters and Papers from Prison,
Prologue, 46, Fortress Press, Minneapolis 2009.
 
TEXT and CONTEXT
 
“To resist” starts with “to stand”. In these days in Passion time my inner ear hears  J.S.Bach’s Choral setting in St. Matthew Passion of Paul Gerhardts words:  
 
“I shall stand here beside you. But do not despise me!”
 
It strikes me as remarkable Dietrich Bonhoeffer does not put into words in any of the ten poems he wrote in prison the relationship to Jesus Christ which is the center of his theology. That’s not true! In “Christians and Heathens” we meet God in Jesus Christ.
 
In his detention cell, where he cannot walk five steps, Dietrich Bonhoeffer speaks of people walking as in a procession of the laborious and laden through the centuries     (1st stanza) and of the reversal: of God’s going to people with his bread. What happens in the 2nd stanza?
 
In his letter of July 18, 1944, he wrote to his friend Eberhard Bethge:
 
The poem “Christians and Heathens” includes a thought that you will recognize here.   “Christians stand by God in god’s own pain” – that distinguishes Christians from heathens. “Could you not stay awake with me one hour?” Jesus asks in Gethsemane. That is the opposite of everything a religious person expects from God. The human being is called upon to share in God’s suffering at the hands of a godless world … It is not a religious act that makes someone a Christian, but rather sharing in God’s suffering in the worldly life. That is “Metanoia”, not thinking first of one’s own needs, questions, sins, and fears but allowing oneself to be pulled into walking the path that Jesus walks, into the messianic event, in which Isaiah 53 is now fulfilled! [“Surely he has borne our infirmities and carried our diseases”]
 
Between the God to whom people go hoping for his omnipotence (“Allmacht”) and God who, by overcoming death, forgives everyone - Christians and Heathens - we encounter God in his helplessness (“Ohnmacht”), “devoured by sin, weakness, and death”. 
 
The contradiction between omnipotence and powerlessness that goes beyond our minds is cancelled in the empathy of God. It’s the dialectic of empathy to unite helplessness and help: God resists death - the greatest contradiction to life - by taking it upon himself.
The empathy of God makes the walking of the Christian a stand. “Christians stand by God in God’s own pain.” In their empathy, they allow themselves to be drawn into His suffering in others. It is - following Jesus – “this life of participating in God’s powerlessness in the world.”
____________
 
To Eberhard Bethge, August 21.1944, a birthday letter on August 28, 1944
 
with reference to the Daily Text for August 28 from 2 Cor. 1:20:
“For in him every one of God’s promises is a Yes.”
 
A week from today is your birthday. I looked at the Daily Texts again and meditated for a while on them. I think everything depends on the words “in Him”. Everything we may with some good reason expect or beg of God is to be found in Jesus Christ. What we imagine a God could and should do – the God of Jesus Christ has nothing to do with all that. We must immerse ourselves again and again, for a long time and quite calmly, in Jesus’ life, his sayings, actions, suffering, and dying in order to recognize what God promises and fulfills. What is certain is that we may always live aware that God is near and present with us and that this life is an utterly new life for us; that there is nothing that is impossible for us anymore because there is nothing that is impossible for God; that no earthly power can touch us without God’s will, and that danger nd urgent need can only drive us closer to God. What is certain is that we have no claim, on anything but may ask for everything; what is certain is that in suffering lies hidden the source of our joy, in dying the source of our life; what is certain is that in all this we stand within a community that carries us. To all this, God has said Yes and Amen in Jesus. This Yes and Amen is the solid ground upon which we stand.
 
TEXT: Dietrich Bonhoeffer Works, Volume 8, Letters and Papers from Prison, 514 f.
Fortress Press, Minneapolis 2009.

So viel Widerstandskraft ! Bonhoeffer lesen in kritischen Zeiten (1)

Body: 
Für jede Woche neu werden wir an den kommenden Sonntagen an dieser Stelle Texte von Dietrich Bonhoeffer mit einem Bezug zu „Widerstand“ und „Widerstandskraft“ zitieren.
 
Gottfried Brezger
______________________
 
Dietrich Bonhoeffer
 
Einige Glaubenssätze über das Walten Gottes in der Geschichte
 
 
Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
 
 
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.  
Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.
 
 
Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten,
 
 
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.
 
 
Dietrich Bonhoeffer, Rechenschaft an der Wende zum Jahr 1943 – Nach zehn Jahren, in: Widerstand und Ergebung, Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Dietrich Bonhoeffer Werke, Band 8, 30f., Christian Kaiser / Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1998
 
______________________
 
 
„Widerstand und Ergebung“ – das ist der Titel, den Eberhard Bethge den Briefen und Aufzeichnungen Dietrich Bonhoeffers aus der Haft bei der Erstveröffentlichung 1951 gegeben hat. Bethge bezieht sich dabei auf den Brief  Bonhoeffers vom 21. Februar 1944, in dem er sich Gedanken macht über die „Grenzen zwischen Widerstand und Ergebung“.
 
In seiner „Rechenschaft an der Wende zum Jahr 1943 – Nach zehn Jahren“, die er sich selbst und den Mitverschworenen Eberhard Bethge, Hans v. Dohnanyi und Hans Oster gibt, spricht Bonhoeffer von der „Widerstandskraft“. Politischer Widerstand und innere Widerstandskraft aus dem Glauben heraus gehören für ihn zusammen.
 
Auch im Krisenmodus von Isolation und Quarantäne, der Einschränkung unserer ‚leiblichen‘ Beziehungen und der Sorge um den Verlust von Arbeitsplätzen und Zukunftsperspektiven können wir in Bonhoeffers Gedanken Orientierung und Ermutigung für unseren Geist und unsere Seele finden.
 
_________________________________________________________________
 
Sunday 29 March 2020
 
So much strength to resist ! Read Bonhoeffer in critical times (1)
 
In Germany we have now also strong restrictions of contacts, so we had to close the Bonhoeffer House for some weeks. But Bonhoeffer's words may help us to resist mentally in this crisis and to learn from his political resistance.The following Sundays we will for each new week quote texts by Dietrich Bonhoeffer with a reference to “Widerstand” (resistance) and “Widerstandskraft” (strength to resist, resilience).
 
Blessings in passion time for you and your family in Jesus Christ.
 
Gottfried Brezger, Chairman
____________
 
Some Statemens of Faith on God’s Action in History
 
"I believe
that God can and will let good come out of everything, even the greatest evil.
For that to happen, God needs human beings who let everything work out for the best.
 
I believe
that in every moment of distress God will give us as much strength to resist as we need.
But it is not given to us in advance, lest we rely on ourselves and not on God alone.
In such faith all fear of the future should be overcome.
 
I believe
that even our mistakes and shortcomings are not in vain and that it is no more difficult for God to deal with them than with our supposedly good deeds.
 
I believe
that God is no timeless fate but waits for and responds to sincere prayer and responsible actions."
 
Dietrich Bonhoeffer Works, Volume 8, Letters and Papers from Prison, Prologue, p. 46, Fortress Press, Minneapolis 2009.
____________
 
„Widerstand und Ergebung“ (resistance and submission / acquiescence) – this is the title that Eberhard Bethge gave Dietrich Bonhoeffer's letters and papers from prison when it was first published in 1951.
 
Bethge refers to Bonhoeffer's letter of February 21, 1944, in which he considers “the line between necessary resistance to ‘fate’ and equally necessary submission”.
 
In his "Account at the Turn of the year 1942-1943 - After Ten Years" for himself and his co-conspirators Eberhard Bethge, Hans v. Dohnanyi and Hans Oster, Bonhoeffer speaks of “the strength of resistance”. For him, political resistance and the inner strength of resistance from faith belong together.
 
Especially in critical times of isolation and quarantine, the restriction of our 'physical' relationships and the worry about losing jobs and future prospects, we can find orientation and encouragement for our mind and soul in Bonhoeffer's thoughts.

Bonhoeffer-Haus geschlossen, vorerst bis zum Sonntag, 19. April 2020.

Body: 

 

Wir sehen uns in der Verantwortung, die Warnungen vor der Gefährdung durch Corona bei sozialen Kontakten ernst zu nehmen. Unnötige gesundheitliche Risiken zu vermeiden, ist in diesen Tagen auch ein Gebot der Solidarität mit den gesundheitlich Schwächeren.
 
Gerade in diesen Tagen, in denen uns die Verletzlichkeit der globalen Welt vor Augen geführt wird, kommt für uns die Verlässlichkeit des Glaubens mit der Botschaft vom Kreuz und der Auferstehung als einer neuen Dimension von Leben in den Blick. Sie lässt uns neu wahrnehmen, wie wichtig für uns unsere sozialen Beziehungen sind und unsere Verantwortung füreinander.
 
Gottfried Brezger, Vorsitzender
 

Bonhoeffer House closed until Sunday April 19, 2020.

 
We feel responsible for taking the risk of infection from the Corona virus seriously. That's a requirement of solidarity with those with weaker health conditions.
 
Especially in these days, when the vulnerability of the global world becomes obviously on the other hand opens the reliability of faith with the message of cross and resurrection a new dimension of life for us. It helps us to recognize how eminent for us are our social relationships and our mutual responsibility.
 
Gottfried Brezger, chairman of the board

Neue Geschäftsführerin im Bonhoeffer-Haus

Body: 

Loreen & Robert Ullmann

Loreen Ullmann ist – nachdem Martin Dubberke eine Pfarrstelle in Garmisch-Partenkirchen übernommen hat - die neue ehrenamtliche Geschäftsführerin im Bonhoeffer-Haus in der Marienburger Allee 43 in Charlottenburg.

Dort wohnt sie zusammen mit ihrem Mann Robert, der auch ehrenamtlich im Haus tätig ist. Loreen Ullmann, Jahrgang 1990, unterrichtet als Gymnasiallehrerin in Charlottenburg und in Zehlendorf in den Fächern Religion, Deutsch und Musik. Berufen wurde sie vom Vorstand des Vereins Erinnerungs- und Begegnungsstätte Bonhoeffer-Haus e. V., dem Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, Dr. Christian Löhr, Ralf Herold, Gottfried Brezger als Vorsitzender und Dr. Tobias Korenke als stellvertretender Vorsitzender angehören.

Bonhoeffer Haus Schließzeiten

Body: 

In der Zeit vom 22. Dezember 2019 - 02. Januar 2020 bleibt das Bonhoeffer-Haus in Berlin geschlossen. Wir wünschen allen Freund*innen, Förder*innen, neuen- sowie alten Besucher*innen unserer Gedenk- und Erinnerungsstätte ein gesegnetes Weihnachtsfest. Wir bedanken uns für die herzliche- und gute   Zusammenarbeit im Jahr 2019. Ebenso sei dem Vorstand und der Begleitgruppe des Bonhoeffer Hauses gedankt, ohne diese die Realisierung der angefragten Besuchstermine nicht möglich wäre. Auf ein gesundes neues Jahr 2020! 

Bonhoeffer House closed on Saturday 28 September

Body: 

The Bonhoeffer House will be closed on Saturday 28 September 2019 because of a study tour of the team of the Bonhoeffer House to Wroclaw the place of Dietrich Bonhoeffer's birth.

Aufwiedersehen

Body: 

Heute verabschiede ich mich nach rund vier Jahren als Geschäftsführer des Bonhoeffer-Hauses von Ihnen und Euch.

 
Ich habe in diesem Haus gemerkt, was es bedeutet, in einem Haus zu leben, das eine besondere Geschichte hat, das auch einen Geist hat und wie der sich auf das eigene Leben, Wahrnehmen, Denken und Entscheiden auswirkt.
 
Früher habe ich immer ein wenig geschmunzelt, wenn ich gelesen habe, dass es im Haus eines bekannten Autors der Literaturgeschichte wieder einen neuen Writer in Residence gibt. Heute kann ich es nachempfinden, was es bedeutet, weil ich es am eigenen Leib erfahren habe. Ich bin auch sehr dankbar für die vielen Begegnungen, die ich hier im Hause mit Menschen aus aller Welt hatte, die vielen spannenden und interessanten Gespräche.
 
Mein Dank gilt dem Team, mit dem wir in den vergangenen vier Jahren mehr als 6000 Besucherinneren und Besucher hier im Haus betreut haben, sondern in besonderem Maße auch meiner Familie, meiner Frau und meinen beiden Söhnen. Wir haben in diesem Haus als Familie gelebt und damit auch gemeinsam Verantwortung wahrgenommen.
 
Am Montag wird nun der Umzugswagen vor der Tür stehen und unser Hab und Gut nach Garmisch-Partenkirchen bringen, wo ich ich am 1. August meine neue Pfarrstelle antreten werde. Naja, und auch dort ist ein Dietrich-Bonhoeffer-Ort nicht so weit entfernt: Kloster Ettal. Also, Bonhoeffer wird mich nicht loslassen. Tschüß und Gott befohlen.
 
Ihr Pfr. Martin Dubberke

 

Seiten

RSS-Feeds abonnieren